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Vierländer Rosenwelt
Schmeichelnde Formen
und zarter Duft in belebenden Nuancen sind die Leidenschaft von Berndt
Wannuschkat im Hamburger Gartenparadies Vierlande.
Auf etwa 5000 qm werden Rosen und Schleierkraut angebaut.
In diesem Gartenbaubetrieb werden Rosen im Kalthaus, also ohne Heizung,
in möglichst naturnaher Pflege gezogen.
Vom Frühjahr bis zum Spätherbst erntet der Familienbetrieb die Blumen,
sowie Schleierkraut und Fuchschwanz und liefert sie an den Hamburger
Blumengroßmarkt.
"In die Rosensorte
Nicole habe ich mich verliebt," gibt Berndt Wannuschkat zu. Seit 1986
pflanzt er diese Sorte, auch wenn er sie heute nur noch zu einem Drittel
des Preises verkaufen kann, den er vor 15 Jahren dafür bekommen hat.
Er führt den Betrieb zusammen mit seiner Frau Helena und sieht die Zucht
von der Verbraucherseite. Haltbarkeit der Schnittblumen, Resistenz gegen
Umwelteinflüsse, Abwesenheit von belastenden Spritzmitteln gehören dazu.
Die Nicole ist eine großblumige, außen silbrig und innen bordeauxrote
und sehr haltbare Blüte, die sehr duftig und lieblich ist, ohne aufdringlich
zu sein.
Berndt Wannuschkat
mag sie auch als Solitär, "aber im Grunde gehören Rosen zu einem großen
Strauß gebunden." Besonders angemessen prachtvoll wirkt ein Strauß Nicole
zur Hochzeitfeier in der Hand der glücklichen Braut. Aber auch zum Rendevouz
wird die Nicole mit ihrem betörenden Aroma das Herz der Verehrten erweichen:
Welche Dame kann schon wiederstehen, wenn ein Mann nicht nur mit einer
Rose, sondern auch noch mit dieser erscheint?
Neben der Nicole pflanzt er die "Susann, eine klassische Duftrose mit
zitronig-frischem Charme, der sich auch in der Vase intensiv hält. Sie
changiert von einem angenehmen Rosa außen zu einem dunkleren Rot an
den Rändern und ist sehr dankbar, wenn sie gut behandelt wird.
Als dritte Sorte bietet er "Mainzer Fastnacht" an, ebenfalls eine ältere
Sorte, eine klassische Rose in zartlila. Sie ist in der Kombination
von Farben, Duft und Gesundheit einzigartig, eine schöne, elegante Blume,
die bis in den Herbst hinein blüht.
Aus den rund 150
Arten hat sich Berndt Wannuschkat auf drei spezialisiert, die intensiv
duften. Eine vierte, die "Verselia" wurde erst vor einigen Jahren kreiert.
Mit ihrer lachsgelben Tönung, die an den Rändern und in der Mitte etwas
ins Rosa changiert, hat er sich eine Pflanze ausgesucht, die hier im
Norden sehr selten ist, da sie als schwierig anzubauen gilt. Dafür dankt
sie die Mühe in der Vase mit einer Haltbarkeit von drei Wochen. Durch
die Anzucht im Kalthaus ist die Gefahr des Schädlingsbefalls nicht so
groß wie bei Pflanzen unter geheiztem Glasdach. Daher muss auch viel
weniger gespritzt werden, so dass die verkauften Blumen zwar nicht als
ökologisch angebaut bezeichnet werden können, aber dennoch keine Belastung
durch Schädlingsgifte aufweisen. Anders als Importblumen aus Brasilien,
Ecuador oder Simbabwe, die wegen der intensiven Pflanzenschutzmittel
immer wieder in Gerede kommen, sind die heimischen Pflanzen sehr robust
und benötigen daher nur wenig Behandlung.
Der Familienbetrieb
in den Vierlanden bietet auch Schleierkraut, Gypsophila, an, das sich
mit seinen vielen kleinen, weißen Blüten gut dazu eignet, als Kontrast
um Rosen gebunden zu werden. In den Sorten Million Stars und Paniculata
sind zwei Varietäten vertreten, die durch volle Blüten wie bei der Million
Stars wirken oder wie Schneeflocken aussehen, wie die Paniculata.
Im Deutschen als
Fuchsschwanz bekannt ist Amaranthus eine sehr ungewöhnliche Pflanze.
Auf hellroten Stängeln wachsen hellgrüne Blätter, die mit einer Wachsschicht
überzogen scheinen. Später im Jahr entwickeln sich lange rote Blütenstängel,
die herabhängen und sich immer weiter verlängern. Unter guten Bedingungen
können sie zehn bis 15 Zentimeter lang werden und bilden dann einen
prächtigen Rahmen für einen floristischen Blumenstrauß.
Der Betrieb umfasst
zwei Anbauflächen in Alten- und Neuengamme in den Hamburger Vier- und
Marschlanden. Zusammen mit Kirchwerder und Curslack bilden die vier
Dörfer die Vierlande, als sie sich zusammenschlossen. Im frühen Mittelalter
gab es hier nur Inseln. Erst vom 12. Jahrhundert an unter dem Sachsenkönig
Heinrich dem Löwen wurden vermutlich von niederländischen Kolonisten
die ersten Deiche gebaut. Jahrtausende lang hatte die Elbe hier Schwemmmaterial
abgelagert, das zu Marschland wurde und nun der Blumengarten Hamburgs
ist. Noch im vergangenen Jahrhundert wurde hier in großem Stil neben
Gemüsen Früchte, Blumen und auch Weizen angebaut. Maiblumen wurden bis
nach Amerika exportiert. Andere landwirtschaftliche Erzeugnisse fanden
ihre Abnehmer in England.
Als Königin der
Blumen bezeichnete Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe die Rose und
er sandte seiner Freundin Charlotte von Stein in jedem Jahr die ersten
Rosen des Frühlings. Die Rose wurde aber nicht nur von Goethe besungen:
Als Symbol für die Ambivalenz von Leben und Tod erscheint sie nicht
nur im "Heideröslein", das der wilde Knabe brach, sondern schon im Hohen
Lied der alttestamentarischen Schriften. Sinnlich spürbar wird das bei
einem Gang durch die Gewächshäuser: Der berauschende Duft und die Schönheit
de Blüten kontrastieren mit den Dornen, die sich fest in Kleidung und
Haut verhaken. Einer der eher als Schöpfer heiterer Verse bekannt ist,
Eugen Roth, hat dazu folgendes Gedicht geschrieben:
Die Rose
Als sich die
Rose erhob, die Bürde
Ihres Blühens und Duftens zu tragen
Mit Lust;
Hat sie, dass es der letzte sein würde
Von ihren Tagen,
Noch nicht gewusst.
Nur, dass sie
glühnder noch werden müsste,
Reiner und seliger hingegeben
Dem Licht
Spürte sie - ach, dass zum Tode sich rüste
So wildes Leben,
Bedachte sie nicht...
Als dann am Abend
mit Mühe der Stengel
Ihre hingeatmete Süße
Noch trug,
Hauchte sie, fallend dem kühlen Engel
Welk vor die die Füße:
"War es genug?"
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